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 Super Trabi Nr. 60 - 2010

Mein Wartburg 312 HOX 10E

Die Leidenschaft von IFA-Freund Dirk Marx aus dem brandenburgischen Letschin sind "Briten" Rechtslenkerfahrzeuge. Im Folgenden erzählt er die Geschichte seines Wartburg 312 HOX 10 E.
 
Der Gute wurde erstmals 1967 in England zugelassen, er ist also Baujahr 1966. Ellis Stinton rettete ihn 1989. Der Engländer hatte den Wartburg in marodem Zustand, nicht fahrbereit, übernommen. Der Urzustand zum Zeitpunkt des Erwerbs ist auf der Fotodokumentation der Restauration (unten) zu sehen.
 
Das Auto wurde bereits mehrmals überlackiert, zwischendurch auch mal blau. Die originale Lackierung war komplett weiß, ohne Zierleisten. Die Restauration erfolgte 1989/1990. Der jetzige Restaurationszustand ist noch immer zu zirka 90 Prozent der von 1990. Wie auf den Fotos zu sehen, wurde der Warti anfangs komplett einfarbig weiß lackiert. Die teilweise Lackierung in Rot erfolgte nachträglich 1995. Alles, was weiß ist, ist auch noch von 1990. Bis auf die Türunterkanten sowie die äußeren Schweller, die durch uns 2005 geschweißt und restauriert wurden. Natürlich hat er hier und da kleinere Bläschen und Altersspuren, aber bedenkt man die Restauration vor fast zwanzig Jahren, dann kann man von einer recht ordentlichen Qualität ausgehen.
 
Zu erwähnen bleibt in diesem Zusammenhang, dass der Wartburg auf der Einfahrt zu Hause in der Nähe von Birmingham restauriert wurde, also unter nicht gerade optimalen Bedingungen. Auch der Qualitätsanspruch der Engländer ist keinesfalls mit dem manchmal übertriebenen Perfektionismus deutscher Restaurationen zu vergleichen. Die fehlenden Keder an den hinteren Kotflügeln sind darauf zurückzuführen, dass einfach keine zu bekommen waren. Das ergab kürzlich ein Gespräch mit Robert Stinton, dem Sohn des Restaurators. Da Keder nicht verfügbar waren, wurde der Spalt eben verschlossen. Auf den Fotos zu erkennen ist aber, dass die Kotflügel im Rahmen des Wiederaufbaus demontiert waren. Auch zu erkennen ist das Improvisieren von Reparaturblechen aufgrund fehlender Verfügbarkeit. Um die Fotos der Restauration in die Finger zu bekommen, bin ich zirka 400 Kilometer quer durch England gefahren, aber das war es wert!
 
Die erste öffentliche Ausstellung erfolgte im Dezember 1990, dokumentiert in der Zeitschrift "Auto Classic".
 
Nachdem Ellis Stinton 2000 verstorben war, übernahm Sohn Robert das Fahrzeug. Wie in vielen netten Gesprächen mit ihm, konnte er nach dem Tod seines Vaters nicht weitermachen mit Wartburg, worauf er ihn an Melvin Hiles aus Malvern verkaufte. Der ist eigentlich eingefleischter VW-Fan, aber Ästhetik und Form des Wartburg hatten ihn zum Kauf bewogen. Der Verkauf erfolgte auf einem Ostfahrzeugtreffen in Stanford Hall, einer Veranstaltung, die nun jährlich in Birmingham auf dem Gelände des Royal Airforce Museums stattfindet.
 
Vor zirka fünf Jahren erwarben wir das Schmuckstück. Die Geschichte, wie wir überhaupt auf rechtsgelenkte Wartburgs kamen, ist auch recht amüsant. Damals, ich glaube 2002 oder 2003, war ich mit meiner damaligen Freundin in Thüringen unterwegs und wir hielten natürlich in Eisenach am Automobilwerk AWE an. Zu der Zeit waren drei oder vier Fahrzeuge im Sparkassengebäude ausgestellt, unter anderem der letzte Wartburg 1,3 in Rot. An den Wänden fanden sich Bildergalerien von der Produktion und der Fließbandarbeit im damaligen Werk. Darunter war ein Bild mit rechtsgelenktem Wartburg 353. Ich hielt es erst für ein gespiegeltes Foto, da aber der Schriftzug WARTBURG am Heck leserlich war und das Lenkrad rechts, konnte es kein verdrehtes sein. Dadurch wurde ich erst darauf aufmerksam, dass es rechtsgelenkte Wartburgs überhaupt gab.
 
Dann machte ich mich auf die Suche. Ich kontaktierte den Wartburgklub in England, worauf ich an diverse Leute verwiesen wurde. Fündig wurde ich dann mit diesem 312er bei Melvin, zu dem ich seit dem Kauf des Wartburg eine rege Freundschaft pflege. Wir wurden uns handelseinig bei 1.200 Pfund. Das doppelte des damaligen Neupreises, irgendwie witzig!
 
Doch wie sollten wir das Vertragliche klären? Wir kannten uns ja nicht. So kamen wir auf die Idee, das über Ebay England zu regeln. Er stellte den Wartburg dort ein, ich klickte auf Kaufen und somit war der Deal perfekt. Er wusste nach einer Anzahlung von 200 Pfund, dass der Wartburg verkauft ist, und ich wusste, dass ich den Flug nicht umsonst buchen würde, denn der Warti war reserviert. Beim ersten Ansehen entdeckte ich aber doch, dass das Fahrzeug nicht ganz so gut war, wie beschrieben. Dichtungen fehlten, Schweller und Türunterkanten waren durchgerostet, aber er war fahrbereit. Also setzte ich mich in den 312er und fuhr ihn auf eigener Achse die etwa 1.400 Kilometer nach Hause. Ohne irgendein Problem. Gute alte Eisenacher Technik eben!
 
Dann gings zum TÜV. Ein bisschen Bammel hatte ich schon mit so 'nem alten Auto. Doch den TÜV bestand es auf Anhieb. Der einzige Mangel war, dass ein Kugelkopf der Lenkung nur durch ein Stück Draht gesichert war. Also tauschten wir den Draht gegen einen Sicherungssplint und der TÜV war bestanden. Sogar die originalen alten englischen Scheinwerfer durften drin bleiben. Dann ging die Bürokratie jedoch richtig los. Zum Anmelden wurde ein Kaufvertrag verlangt, da das Auto importiert wurde. Der Ebay-Vertrag lag vor, reichte den Bürokraten aber nicht, da er keine Unterschrift trug. Somit wurde ein zweisprachiger Kaufvertrag aufgesetzt, per Post nach England geschickt zur Unterschrift und dann konnte endlich angemeldet werden. Was für ein Theater!
 
Als rollende Restauration wurden dann die Schweißarbeiten an Türen und Schwellern erledigt. Neue Teppiche und Türverkleidungen hielten Einzug. Das Armaturenbrett war arg durchlöchert für Zusatzschalter, Lämpchen und diverse Anzeigen. Das konnte so nicht bleiben. Alle Löcher wurden verschweißt, verzinnt und das ganze Armaturenbrett komplett neu lackiert. Im Zuge dessen wurde durch einen Elektriker die gesamte Elektrik überholt, denn der Kabelwirrwarr war ganz schön verbastelt.
 
Auch im Motorraum sah es bunt„ aus. Wie auf den Restaurationsfotos zu sehen, war da viel Metallicblau und anderes vertreten, was wieder im originalen Schwarz lackiert wurde. Die bereits in England nachgerüstete elektronische Zündung verblieb im Auto, ist ja auch ein Stück Geschichte des Wartburg.
 
Im Zuge der Restauration hielt ein Getriebe vom 353er Einzug, was auch auf den Mangel an passenden Teilen zurückzuführen ist. Dann gab's noch ein paar. Weißwandreifen, komplett neue Bremsen und einen neuen Auspuff. Seitdem läuft der Wartburg prima und hat uns bis auf Kleinigkeiten nie im Stich gelassen.
 
Und nun habt ihr Eisenacher ihn im Wartburg-Museum und wir hoffen, vielen Besuchern ein Staunen und ein Lächeln ins Gesicht zaubern zu können. Mit besten Zweitakt-Grüßen
 

Dirk Marx
aus Letschin im Oderbruch,
Land Brandenburg
dirk.marx@freenet.de
Telefon 0162 870 33 55 oder 033478 38637
 

 

 
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